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Kardinal Reinhard Marx ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Kardinal Reinhard MarxKardinal Reinhard MarxDer Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, ist am 12. März für sechs Jahre zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Die Vollversammlung hat damit einen Nachfolger für Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, der aus Altersgründen nicht mehr kandidierte.

Kardinal Marx wurde am 21. September 1953 im katholischen Geseke (Westfalen) geboren. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie in Paderborn, Paris, Münster und Bochum wurde er am 2. Juni 1979 in Paderborn zum Priester geweiht und am 23. Ju1i 1996 von Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof in Paderborn ernannt. Marx war damals 48 Jahre alt und damit der jüngste Bischof Deutschlands. Der Geistliche promovierte mit der Dissertation "Ist Kirche anders? Möglichkeiten und Grenzen einer soziologischen Betrachtungsweise" und lehrte in Paderborn als Professor christliche Gesellschaftslehre.

Seit dem 2. Februar 2008 ist der 60-Jährige Erzbischof von München und Freising, nachdem er von 2002 bis 2008 Bischof von Trier war. In der Deutschen Bischofskonferenz war der frisch gewählte Oberste der deutschen Katholiken bisher Vorsitzender der Kommission für Gesellschaftliche und Soziale Fragen und stellvertretender Vorsitzender der Kommission für Weltkirchliche Fragen. Von 1999 – 2008 war Marx Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax. Der neue Chef der Katholiken ist zudem Berater von Papst Franziskus bei der Reform der Kurie, er leitet den vom Oberhaupt der Kirche neu geschaffenen Wirtschaftsrat im Vatikan und auch die Europäische Kommission der Bischofskonferenzen.

Nach seinem Wahl sagte Marx, die Bischofskonferenz habe "einen offenen und geistlichen Wahlprozess gehabt". Der Erzbischof bezeichnete sein neues Amt als "neue große Herausforderung". Er wolle daran mitwirken, die katholische Kirche "zu einer Stimme zu machen, die in diesem Land gehört wird".

Marx ist Kämpfer für die konservativen Werte der katholischen Kirche. Seit er den Saarbrücker Priester Gotthold Hasenhüttl suspendierte und ihm die Lehrerlaubnis entzog, wird der Westfale als ein vatikantreuer Hardliner eingeordnet. In der Missbrauchsaffäre bewies der Erzbischof Courage. Marx war vor vier Jahren anfangs der einzige, der den Mut aufbrachte, die Missbrauchsfälle von Kindern hinter den dicken Mauern der Kirche von nicht geistlichen Fachleuten untersuchen zu lassen. Hart erwies er sich auch im Umgang mit dem Augsburger Bischof Mixa, der 2010 beschuldigt wurde, als Pfarrer Heimkinder geschlagen zu haben. Gemeinsam drängten Marx und Zollitsch den Bischof zum Rücktritt.

Der Erzbischof gilt als extrem gut vernetzt. Der Oberhirte von München und Freising ist ein Medienprofi, der für seine Schlagfertigkeit bekannt ist. Marx kann auch quirlig sein, doch er bleibt dabei diskussionsfreudig. "Ich bin westfälisch gemütlich, das ist etwas, was der barocken Lebensart der Bayern nicht ganz fremd ist," sagte er im Bayerischen Rundfunk zu seiner Vorliebe für Zigarren und ein gelegentliches Glas Wein. Der "Sozialbischof" ist zudem ein leidenschaftliche Tänzer.

Geschiedene zur Teilnahme an den Sakramenten zulassen
Gleich nach seinem Wahl machte Kardinal Marx einen Vorstoß: Nach "einer Zeit der Buße" soll den Geschiedenen die Teilnahme an den kirchlichen Sakramenten wieder erlaubt sein. Die Fragestellung, welche Kirchenrechte Geschiedene in ihren Gemeinden hätten, ist unter den deutschen Bischöfen stark umstritten. Ein Vorschlag des Erzbistums Freiburg unter Führung des bisherigen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Zollitsch im vergangenen Jahr sorgte für großen Streit zwischen der Religionsführern.

Die Bischofskonferenz ist das Führungsgremium der katholischen Kirche in Deutschland. Ihre Gründung geht auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) zurück. Sie ist unter anderem für übergreifende Fragen der Seelsorge und internationale Kontakte zuständig. Die Mitglieder treffen sich etwa zweimal im Jahr. Obwohl der Vorsitzender gegenüber seinen Kollegen keine Weisungsbefugnis hat, figuriert er als eine Art Sprecher. Der Oberhirte muss ebenso zwischen gegensätzlichen Interessen der Geistlichkeiten vermitteln.

Foto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert



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