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Afrika soll mehr leisten: Bundesminister startet Marshallplan mit Côte d'Ivoire

 Bundesentwicklungsminister Gerd MüllerBundesentwicklungsminister Gerd MüllerCôte d'Ivoire (Elfenbeinküste) in Westafrika ist der weltgrößte Kakaoproduzent. Die Regierung des Landes investiert außerdem massiv in den Kaffeeanbau. Mit vierzig Prozent der Ausfuhren ist Kakao das wichtigste Exportprodukt des Landes. Oft bleibt jedoch nur wenig der Wertschöpfung bei den Bauern. Mit einem "Marshallplan" will Bundesentwicklungsminister Gerd Müller nun die Zusammenarbeit mit Afrika umkrempeln. Im Kern geht es darum, nur reformbereite Staaten zu unterstützen. Damit will CSU-Politiker weg vom bisherigen Prinzip "Für jeden ein bisschen was". Müller will die Afrika-Hilfe auf Staaten abzielen, die feststellbar reformbereit sind, gute Fortschritte im Regierungsarbeit vorzuzeigen haben und Korruption bekämpfen. Müllers Motto: „Afrika muss selbst mehr leisten."

Nach seinem Besuch einer Utz-zertifizierten (Gütesiegel für nachhaltigen Anbau von Agrarprodukten) Kakaoplantage erklärte Bundesminister: „Fairer Handel ist der Schlüssel für Entwicklung. Es kann doch nicht sein, dass die Kakao- und Kaffeebauern von ihrer harten Arbeit nicht leben können und Kinder, statt in die Schule zu gehen, auf den Plantagen wie Sklaven schuften müssen. Mit höheren Standards und Löhnen schaffen wir mit der deutschen Entwicklungspolitik Perspektiven für die Menschen vor Ort. Wollen wir hier erfolgreich sein, brauchen wir auch mehr Weiterverarbeitung im Land, die dafür nötige Ausbildung der Jugend und den konsequenten Abbau von Handelsbarrieren der Europäischen Union (EU). Das ist moderne Zukunftspolitik mit Afrika."

Kakaobauern in Côte d'Ivoire verdienen laut Bundesentwicklungsministerium so wenig, dass pro Familienmitglied gerade einmal 50 Cent pro Tag zum Leben bleiben. Nur vierzig Prozent der Kakaoproduktion sind bisher zertifiziert. Bei der Kaffeeproduktion sind es sogar nur zehn Prozent. Ein Problem ist auch Kinderarbeit. Nach Schätzungen der Internationale Arbeitsorganisation (ILO) arbeiten 1,4 Millionen Kinder auf den Plantagen in Côte d'Ivoire. Bei konventionell hergestellter Schokolade bleiben nur sieben Prozent der Wertschöpfung bei den Produzenten. Bei fair gehandelter Schokolade ist es doppelt so viel.

Afrika unterstützen und Flüchtlingszahl mindern

Vor allem die Mittelstandunternehmen aus Deutschland will Müller nach Afrika verleiten. Dafür gibt es staatliche Risikobürgschaften und Steuererleichterungen. Der Bundesminister spricht aber auch eine Warnung aus: Wenn Afrika sich nicht positiv entwickelt, kommen bald eventuell nicht 170.000 afrikanische Flüchtlinge pro Jahr nach Europa, sondern Millionen.

Mit der gemeinsamen Initiative PRO-PLANTEURS wollen die ivoirische Regierung, die deutsche Süßwarenindustrie und die Bundesregierung die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen verbessern. Ziel ist es, Kinderarbeit zu beenden und höhere Einkommen zu schaffen. 20.000 Familienbetriebe und ihre Organisationen profitieren von Schulungen zur Steigerung der Qualität im Kakaoanbau.

Das Bundesentwicklungsministerium startet deswegen gemeinsam mit der Global Coffee Platform eine neue Initiative. Ziel ist, dass hundert Prozent des in Deutschland getrunkenen Kaffees nachhaltig hergestellt werden – in der gesamten Lieferkette von der Plantage bis zum Verbraucher. Mit der Initiative will die deutsche Entwicklungspolitik wertvolle Ökosysteme schützen, Entwaldung stoppen, Kinderarbeit beenden sowie Arbeitsrechte und Mindestlöhne sicherstellen.

Auf dem Programm von Bundesminister stehen außerdem der Besuch der einzigen Schokoladenfabrik Westafrikas in Abidjan sowie Gespräche mit der Afrikanischen Entwicklungsbank und dem Staatspräsidenten Alassane Ouattara. In den Gesprächen wird Müller sein Konzept für einen Marshallplan mit Afrika vorstellen.

Quelle: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung / asie

Foto: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung



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