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Frühere KGB-Agenten in der estnischen Sicherheitspolizei

Symbolbild SpionDer mutmaßliche Spion Vladimir Veitman wird verdächtigt Landesverrat verübt zu haben. Der pensionierte Sicherheitsbeamter mit KGB-Vergangenheit ist nicht der Einzige, der seine erste Spionageerfahrungen beim sowjetischen Geheimdienst machte. Beim Verfassungsschutz des wiederhergestellten, souveränen Estlands war Veitman zuständig für das Installieren und das spätere Entfernen Verfolgungstechnik, z.B. von Wanzen. Während der sowjetischen Okkupation arbeitete der Ingenieur im sowjet-estnischen KGB als Abteilungsleiter für Operativtechnik und hatte mehr als hundert Mitarbeiter.

Veitman ist in guter Gesellschaft: Der ehemalige leitende Geheimnishüter im Verteidigungsministerium, Herman Simm sitzt seit 2009 im Gefängnis wegen Spionage für die Russische Föderation. Auch er hat einen KGB-Hintergrund.

War es richtig, frühere sowjetische Staatssicherheitsleute in dem Sicherheitsapparat der 1991 wiedergeborenen Republik einzustellen? Über diese Frage wird zur Zeit in Estland heftig debattiert.

Die Tageszeitung Eesti Päevaleht bringt vor, dass am Anfang der 90er Jahre die damalige Innenministerin Lagle Parek die Aufnahme von Ex-Mitarbeitern der KGB in die frisch gegründete estnische Sicherheitsbehörde (Kaitsepolitsei / KaPo) durchgesetzt hatte.

Parek´s Vater wurde 1941 von NKWD (Vorgänger der KGB) festgenommen und im selben Jahr hingerichtet. Acht Jahre später wurde die Mutter mit der Restfamilie nach Russland deportiert. Sie konnten erst Mitte 1950er Jahre in die Heimat zurückkommen. Lagle Parek studierte Bauingenieurwesen und arbeitete als Architektin für die staatliche Bauverwaltung der Estnischen SSR. Trotzdem kämpfte sie entschieden gegen das diktatorische Regime: 1983 wurde sie wegen sowjetfeindlicher Agitation und Propaganda angeklagt und zu sechs Jahren Arbeitslager und drei Jahren Exil verurteilt. Von Oktober 1992 war Lagle Parek ein Jahr Innenministerin im Kabinett des damaligen Ministerpräsident Mart Laar. Wieso gerade die ehemalige Dissidentin, deren Familie unter Kommunisten sehr zu leiden hatte, die KGB-Offiziere im Dienste der wiederhergestellten Republik sehen wollte? Diese Frage muss noch gestellt werden.

Veiko Kulla: Entscheidung von Parek nicht falsch
Kommissaar Veiko Kulla arbeitete in der 90er Jahren bei der Kripo als Kriminalist. In dem Eesti Päevaleht meint er dass die damalige Entscheidung von Parek nicht unbedingt falsch war: „1991 hatte die junge Republik noch keine Technikspezialisten für die vom KGB übernommenen Geräte. Aus diesem Grund war es richtig, vorhandene Experten einzustellen, denn die Esten konnten mit der Technik nicht umgehen. Es ist eigentlich eine Frage der innerbehördlichen Kontrolle. Ich bin der Meinung, dass die Verantwortung für Verrat diejenigen tragen müssen, welche die Sicherheitspolizei geleitet haben. Das Führungspersonal hätte die vom KGB übernommenen Experten regelmäßig überprüfen müssen.“

Ferner meint Kulla, dass die sowjetische Geheimpolizei-Vergangenheit der Sicherheitsbeamten nicht automatisch mit Verrat gleichzustellen ist: „Etwa 30-40 Personen, darunter waren keine hohe Offiziere, bekamen damals eine Erlaubnis für die KaPo zu arbeiten. Ich bin überzeugt, dass der Grossteil der Übernommenen zur Republik Estland loyal sind. Auch im estnischen Militärdienst arbeiten viele Rotarmisten oder Offiziere mit sowjetischen Militärausbildung,“ sagte Ex-Kriminalist.

Herman Simm, der als Erster festgenommen wurde, gab den Russen Informationen über NATO-Verträge weiter. Aleksei Dressen überreichte dem FSB Operative Daten und der aktuell verhaftete Veitman wohl technische Hinweise darüber, wo und wann die Verfolgungstechnik eingebaut wurde. So hatte sich Russland ein multilaterales Aufklärungsbild über Estland machen können.

Die KaPo hat laut Kulla bewiesen, dass Estland all die letzte Jahren keine sichere Spionageabwehr hatte. Alles, was man in Estland weiß, kennen auch die Russen hinter der Grenze. Seine Meinung nach ist die Situation in Lettland und Litauen nicht besser als in Estland. Seit die baltische Länder die Mitglieder der Europäischen Union und NATO sind, hat auch Russland größere Interesse an Tallinn, Riga und Vilnius. (asie)

Symbolfoto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert



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