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Estland: Schutzpolizei nimmt FBS-Agenten fest

Grenzübergang in NarvaGrenzübergang in NarvaDie estnische Schutzpolizei (Kaitsepolitsei) hat am Grenzübergang Narva einen Staatsbürger der Russischen Föderation festgenommen, der eine Cyberattacke auf estnische staatliche Institutionen geplant haben soll. Der junge Mann, der gerade Estland verlassen wollte, soll dem estnischen Generalbundesanwalt zufolge ein Mitarbeiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB sein. FSB ist die Nachfolger-Behörde des berüchtigten sowjetischen Sicherheitsdienstes KGB, in dem einst auch der heutige russische Präsident Wladimir Putin diente. Das Landgericht Harju (Harju maakohus) hat gegen den Festgenommenen einen Haftbefehl erlassen.

Durch die Festnahme sei „schwerer Schaden“ abgewehrt worden, erklärte die für die Ermittlungen zuständige Generalstaatsanwältin Inna Ombler. Sie brachte indes vor, dass der Russe keine Verbindung zu dem derzeitigen Sicherheitsdatenproblem der elektronischen Personalausweise (ID-Karte) habe. Das Polizei- und Grenzschutzamt (Politsei- ja piirivalveamet) hatte am vergangenen Freitag (3. November) die Sicherheitszertifikate von 760.000 elektronischen Ausweisen ausgesetzt, um möglichen Identitätsdiebstahl zu verhindern. Zur Zeit werden die ID-Karten-Chips aktualisiert. Das Baltikum-Blatt berichtete –http://www.baltikum-blatt.eu/estland/2662-estland-sicherheitsproblem-mit-id-karten-dauert-an-updates-angeordnet

Obwohl die estnischen Behörden keine Angaben zu der festgenommene Person machten, gab die russische Botschaft in Tallinn am 7. November offiziell bekannt, dass ein 20-jähriger russischer Staatsbürger am 4. November bei seiner Ausreise inhaftiert worden war.

Russische Agenten im Baltikum aktiv

Die kleinen baltischen Staaten sind für Russland von großem Interesse. In Estland wurden in den letzten Jahren mehrere russische Spione entlarvt, unter ihnen Alexei Dressen, der in Riga geborene Russlanddeutsche, der später bei der estnischen Sicherheitspolizei arbeitete, sowie Herman Simm. Dieser, ein estnischer Regierungsbeamter, wurde wegen Spionage gegen die NATO im Februar 2009 zu einer langen Haftstrafe verurteilt.

Vor rund zwei Jahren hatten die Russen den estnischen Sicherheitsbeamten Eston Kohver an der Grenze entführt und nach Moskau gebracht. Später wurde er gegen den im Jahr 2012 verhafteten Dressen ausgetauscht.

Estland hat die anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) gewarnt, dass Russland während des estnischen Ratsvorsitzes versuchen könnte, dem kleinsten baltischen Land mit Verbreitung von Falschmeldungen oder mit feindlichen Cyberattacken zu schaden. Auch hat das Amt für Auslandsspionage (Välisluureamet) in seinem am 8. Februar erschienenen Jahrbuch angemerkt, dass während des estnischen Ratsvorsitzes feindliche Cyberattacken zunehmen könnten, um den Ruf des estnischen elektronischen Staates (e-Staat) zu diskreditieren.

Die drei baltischen Staaten, die seit 2004 alle Mitglieder der EU und der westlichen Verteidigungsallianz NATO sind, sind seit der Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim durch Russland im Jahr 2014 über das aggressive Verhalten Moskaus in Sorge. Die NATO hat deswegen vier multinationale Bataillone im Baltikum und in Polen stationiert und überwacht auch den Luftraum. (asie/tmich)

Archivfoto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert