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Estland: Sicherheitsproblem mit ID-Karten dauert an, Updates angeordnet

ID-Karte mit Identfizierungs-ChipID-Karte mit Identfizierungs-ChipDie estnische Regierung hat am Freitag (3. November) wegen eines Sicherheitsrisikos beschlossen, dass bei rund 760.000 elektronischen Ausweisen (ID-Karte) ihre Funktionen zur Online-Nutzung eingestellt werden. Das kleinste baltische Land, welches als Vorreiter der Digitalisierung gilt, konnte vor einigen Monaten aufgetauchte Sicherheitsprobleme immer noch nicht lösen. So griff Premierminister Jüri Ratas (linksorientierte Zentrumspartei) zu drastischen Maßnahmen und erklärte nun alle bisher ausgestellte ID-Karten für ungültig. Betroffen sind auch die für Ausländer ausgestellte Karten für die elektronische Staatsbürgerschaft (E-Residency). Als Personalausweis oder Reisedokument kann die ID-Karte jedoch trotz der aktuell eingeleiteten Maßnahmen weiterhin problemlos verwendet werden.

In Estland wohnen rund 1,3 Millionen Menschen und fast alle haben eine rechnerlesbare ID-Karte mit einem Datenchip, die als Personalausweis dient und damit auch die Feststellung der Identität des Inhabers im Internet ermöglicht, wenn online eingekauft wird, digitale Unterschriften geleistet oder Bankgeschäfte erledigt werden oder bei Wahlen elektronisch die Stimme abgegeben wird. Estnische ID-Karten haben, wie auch sonstige Karten- und Computersysteme in aller Welt den gleichen Chip des deutschen Herstellers Infineon.

Estland hatte Anfang September ein vermutetes Sicherheitsrisiko bei allen seit Oktober 2014 ausgestellten ID-Karten eingestanden. Man nimmt an, dass der öffentliche Schlüssel der digitalen Identität auch ohne die ID-Karte und der dazugehörenden persönlichen Geheimnummer (PIN) ermittelt werden könnte. Bisherig sind Diebstähle von digitalen Identitäten allerdings nicht bekannt. Doch sind nach dem Leiter des Informationsdienstamtes, Taimar Peterkop zufolge schon entsprechende Schadprogramme im Umlauf.

Laut Herstellerfirma ist die Sicherheitslücke bei den Chips schon geschlossen worden. Doch vor der weiteren Anwendung müssen die betroffene ID-Karten und Geräte mit einem Update aktualisiert werden. Das führte dazu, dass vor der Geschäftsstellen der Polizei und des Grenzschutzamtes lange Warteschlangen entstanden sind. Auch der Online-Dienst, über den die Updates eingespielt werden können, sind Behördenangaben zufolge überlastet. Laut Polizei werden auf zuerst die ID-Karten von Personen aktualisiert, die täglich einen Online-Zugang mit Identifikation brauchen. Wie die Behörde am heutigen Sonntag mitteilte, haben insgesamt 86.000 Personen ihre ID-Karte-Daten schon aktualisiert.

Foto: Polizei