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www.baltikum-blatt.eu
17. Feb 2018
07. Woche
5. Jahrgang

Drei Kommunen in Deutschland planen gemeinsam einen umweltfreundlichen Verkehr

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v.l. Dr. Kurz (Mannheim), Prof. Dr. Würzner (Heidelberg), Martin in der Beek (rnv), KlausDillinge (Ludwigshafen) vor einem Elektrobus der rnv v.l. Dr. Kurz (Mannheim),
Prof. Dr. Würzner (Heidelberg), Martin in der Beek (rnv), KlausDillinge (Ludwigshafen) vor einem Elektrobus der rnv
Barbara Hendricks (SPD) wurde am 30. Januar nach Brüssel zitiert. Grund dafür ist ein Streit mit der EU-Kommission wegen mehrjähriger Überschreitung von Schadstoffwerten in deutschen Städten.

Die Bundesumweltministerin hat bei ihrem Besuch bei Umweltkommissar Karmenu Vella um noch mehr Zeit gebeten, um die europäischen Umweltbestimmungen in Deutschland durchsetzen zu können. Hendricks zufolge will die deutsche Regierung mit einem Sofortprogramm bis 2020 in den 20 Metropolen für saubere Luft sorgen. Die Sozialdemokratin brachte zudem vor, dass die Zahl der Städte, in denen EU-Grenzwerte überschritten werden, im vergangenen Jahr von 90 auf 70 gefallen sei. In 50 weitere Metropolen lägen nur gering über den Normen, und der Durchschnittswert der gemessenen Stickoxide sei schon jetzt um fünf Prozent gesunken. Brüssel will jedoch nicht mehr länger warten: Wenn in Deutschland in der Sache „saubere Städte“ nicht schnell sich etwas ändert, wird Berlin vor dem Europäischen Gerichtshof angeklagt.

Die Einhaltung von Grenzwerten ist für den Schutz der menschlichen Gesundheit gedacht. Ein Jahresgrenzwert von 40 µg/m³ wäre deswegen eigentlich seit 2010 einzuhalten, steht auf der Internetseite des Umweltbundesamtes („Grenzwerte für die Schadstoffe Stickstoffdioxid und Stickstoffoxide“). 59 Prozent der städtischen verkehrsnahen Luftmessstationen registrierten im Jahr 2016 jedoch Überschreitungen dieses Jahresgrenzwertes. Die luftschmutzigsten Städte Deutschlands sind Stuttgart und München.

Gemeinsam für saubere Luft

Mannheim und Heidelberg in Baden-Württemberg und Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz planen den großen Wurf beim umweltfreundlichen Verkehr. Dr. Peter Kurz (Mannheim), Professor Dr. Eckart Würzner (Heidelberg) und Klaus Dillinger, Bau- und Umweltdezernent der Stadt Ludwigshafen in Vertretung der Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck, informierten am 31. Januar bei einem Pressegespräch im Heidelberger Rathaus, mit welchen Projekten sie die nachhaltige Mobilität in der Metropolregion Rhein-Neckar vorantreiben wollen. Diese sollen in absehbarer Zeit zu einem sichtbaren Rückgang der Stickstoffdioxidbelastung führen und die Luftqualität in der Region verbessern. Gebündelt sind die Projekte im gemeinsamen „Masterplan nachhaltige Mobilität für die Stadt“.

Die drei genannten Metropolen waren die einzigen der rund 60 Städte beim „Dieselgipfel“ der Bundeskanzlerin am 28. November 2017 in Berlin, die einen gemeinsamen Antrag zur Erstellung eines Masterplanes vorgelegt haben. Hinter der engen Zusammenarbeit steht die feste Überzeugung, dass angesichts der hohen Pendlerströme in der Region die Luftqualität nur verbessert werden kann, wenn die Kommunen an einem Strang ziehen.

Der Masterplan wird vollständig aus dem Bundeshaushalt finanziert. Den entsprechenden Förderbescheid über 570.000 Euro hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) in Berlin im vergangenen Dezember übergeben. Er wird nun vom Aachener Beratungsbüro Aviso GmbH zusammengestellt. Jede der drei Städte darf dabei eigene Akzente setzen, obwohl sie einen einheitlichen Wirtschafts- und Mobilitätsraum bilden.

Zum Masterplan gehört nicht nur die Anschaffung neuer umweltfreundlicher Fahrzeuge, sondern auch die Digitalisierung der Verkehrsleitsysteme und die Anlage von Radschnellwegen zwischen den Metropolen. Aus Heidelberg sind es nach Mannheim etwa 16 und aus Mannheim über die Rheinbrücke nach Ludwigshafen nur einige Kilometer.


 

Digitalisierung, Carsharing, Mietfahrräder, E-Mobilität mit Ladeinfrastruktur

Mannheim setzt auf E-Mobilität. Es bedeutet sukzessive Umrüstung des kommunalen Fuhrparkes auf Fahrzeuge ohne Verbrennungsmotor beziehungsweise Hybrid-Fahrzeuge. Schrittweise wird auch hier ein Ausbau der Ladeinfrastruktur erfolgen. Die Quadratenstadt plant zudem Lücken zwischen Radwegen zu schließen und sich dem Ausbau der Radschnellwege zwischen den Metropolen und dem ländlichen Raum zu widmen. Auch hier wird ein großer Wert auf die Digitalisierung des Parkleitsystemes gelegt. Lieferdienste, Taxen, Kuriere, Paket- und Briefzusteller sollen in Zukunft mit Elektrofahrzeugen beziehungsweise nachhaltigen Verkehrsmitteln fahren.

Ludwigshafen will ebenfalls intelligente Verkehrssysteme einführen. Durch die Aufrüstung des Verkehrsrechners und Erfassungssensorik werden umweltrelevante Daten sowie Informationen zur aktuellen Verkehrslage und Meteorologie in Echtzeit erfasst und ausgewertet. Durch eine optimierte Gestaltung des Verkehrsablaufes – ein sogenanntes umweltsensitives Verkehrsmanagement – wird eine deutliche Reduzierung der Luftschadstoffe erreicht.

Die Stadt Heidelberg will vor allem ihre Verkehrslenkung digitalisieren und Parkplätze mit Sensorik ausstatten. So soll der Parkplatzsuchverkehr reduziert werden. Geplant ist zudem, öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) mit Hilfe von Software- beziehungsweise Datenplattform-basierten Angeboten besser zu vernetzen. Künftig wird es an allen größeren Haltestellen der romantischen Neckar-Stadt Carsharing-Stellplätze und Mietfahrräder geben, auch die Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge wird ausgebaut. Mit dem „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“ geht die bekannte Universitätsmetropole noch einen Schritt weiter: Die Stadt will bis zum Jahr 2050 die CO2-Emissionen um 95 Prozent und den Energiebedarf der Kommune um die Hälfte senken.

Alternative Antriebe

Die Stadt Heidelberg möchte zügig die bisherigen 37 Busse der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) gegen wasserstoffbetriebene Busse austauschen und eine entsprechende Tankstelle einrichten. Bereits im Frühjahr 2019 soll eine neue Linie zu Altstadterschließung mit voraussichtlich zwei batteriebetriebenen Bussen in Betrieb gehen. Nach und nach sollen die von der Stadt Heidelberg genutzten Autos und Sonderfahrzeuge durch batterie- oder wasserstoffbetriebene Fahrzeuge ausgetauscht werden.

Martin in der Beek, Technischer Geschäftsführer der rnv betonte: „Als gemeinsames Verkehrsunternehmen von Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen freuen wir uns sehr, dass die Städte beim Thema nachhaltige Mobilität an einem Strang ziehen. Klimaneutrale und emissionsarme Verkehrsmittel sind für die rnv schon heute Realität: seit 2014 werden alle Straßen- und Stadtbahnen in der Metropolregion mit zertifiziertem Ökostrom versorgt. Die Busflotte umfasst zwei Elektrofahrzeuge im Testbetrieb.“

Er führte weiter aus, dass batteriebetriebene Busse um 50 – 100 Prozent höhere Anschaffungskosten bedingen und der Batterieantrieb bei schweren Fahrzeugen wie Lkw's und Spezialfahrzeugen und auf Bergstrecken auf Grund des hohen Energiebedarfs und der daraus folgenden hohen Batteriegewichte problematisch ist. Die Entwicklungen von alternativen Antrieben (z.B. Wasserstoff) ist jedoch noch nicht abgeschlossen so dass derzeit nicht einseitig auf eine einzige Antriebsart (Batterie, Wasserstoff, alternative Kraftstoffe) gesetzt werden kann. (asie/tmich)

Foto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert

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