Google+
Werbung

Trotz Frustrierter: Zahl der Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion gestiegen

Beitragsseiten

 Russlanddeutsche in Deutschland kaufen hauptsächlich in russischen Geschäften einRusslanddeutsche in Deutschland kaufen hauptsächlich in russischen Geschäften einVon Aino Siebert

Seit 1990 sind etwa 2,5 Millionen Deutschstämmige und deren Angehörige aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion in die Bundesrepublik übersiedelt. Sie möchten hier eine neue Existenz aufbauen und hoffen auf eine bessere Zukunftsperspektive.

Das Magazin „Der Spiegel“ berichtet, dass die Zahl der nach Deutschland eingereisten Spätaussiedler, die sogenannten Russlanddeutschen, sich im fünften Jahr in Folge erhöht habe. Bis zum Ende des vergangenen Jahres wurden über siebentausend Übersiedler im Aufnahmelager im niedersächsischen Friedland aufgenommen. Dies seien etwa 500 mehr als im Jahr 2016, sagte der Leiter der Einrichtung, Heinrich Hörnschemeyer, dem „Spiegel“. Es handele sich in der Regel um jüngere Familien, die bereits Angehörige in Deutschland haben. Werden sie hier ihr Glück finden, oder werden sie nach einiger Zeit enttäuscht wieder nach Russland zurückziehen?

Rückkehrer nach Russland

Hunderte Russlanddeutsche sind nach vielen Jahren in Deutschland nach Russland zurückgekehrt. Sie gaben an, sich vor muslimischen Flüchtlingen und dem Verlust christlicher Werte zu fürchten.

Der Frust der Rückkehrer kommt jedoch mehrfach aus der Unfähigkeit des Loslassens von der sowjetischen Lebensauffassung. In der Sowjetunion war Sexualität allgemein tabuisiert, Homosexualität wurde kriminalisiert. In der 1970er Jahren kamen sogenannte „Ratgeber“ über die Geschlechtlichkeit auf den Markt, deren Ziel es war, Selbstbefriedigung, Schwule (Lesben gab es nicht) und außereheliche Beziehungen zu verteufeln. Hauptgrund für Homosexualität, so der sowjet-estnische Psychiater Heiti Kadastik, war die Missachtung der sozialistischen Ideale.

Gegen „Schwulsein“ hatte Dr. Kadastik empfohlen, fleißig an den gesellschaftlichen Angeboten der Kommunistischen Partei (KP) teilzunehmen. Dementsprechend wundern sich die Russlanddeutschen hierzulande, dass im Sexualunterricht in den Schulen das Schwul- oder Lesbischsein sowie individuelle Sexualität als normal deklariert werden.

In der Sowjetunion bzw. in Russland gab es zudem keine echte Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. In Russland, auch in vielen deutschstämmigen Familien, bestimmt noch heute der Vater als das Familienoberhaupt Alles, sogar dann, wenn er ein Alkoholiker ist.

In Deutschland kann eine Frau die Polizei rufen, wenn ihr Mann (betrunken) randaliert oder die Gattin oder die Kinder grün-blau schlägt. In dem kleinem Ort nahe Karlsruhe war ein Mann im einem Flüchtlingscontainer anzutreffen, weil er wegen seiner ständigen Alkoholexzesse gerichtlich zum Verlassen der ehelichen Wohnung gezwungen worden war. Danach verstand er die Welt nicht mehr.

In Russland hat das Prügeln als Erziehungsmaßnahme jedoch eine lange Tradition. Vor einiger Zeit wurde sogar häusliche Gewalt per Gesetzesänderung zur Bagatelle erklärt. Wenn ein Mann in seinen vier Wänden seine Familienmitglieder schlägt oder seine Ehefrau vergewaltigt, muss er nur mit einem Bußgeld rechnen, obwohl dem russischen Innenministerium zufolge in drei von vier Fällen Frauen die Opfer und in mehr als 90 Prozent aller Fälle Ehemänner die Täter sind.

Die Gleichstellung der Frau gehört bekanntlich nicht zu christlichen Werten. Obwohl Gleichberechtigung in Nationalitätenstaat gesetzlich geregelt war, standen im Alltag die Familienmitglieder de facto unter der Regie des Mannes.

Beitragsseiten



Werbung
Werbung