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Deutschland: AfD und Russlanddeutsche – Wie die Opfer zu Tätern werden

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Werbeplakat der Partei der Russlanddeutschen (Einheit)Werbeplakat der russlanddeutschen Partei der EinheitVon Aino Siebert

Seit 1990 sind etwa 2,5 Millionen Deutschstämmige und deren Angehörige aus Russland und den anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion in die Bundesrepublik gekommen. Bisher waren die Russlanddeutschen in der Mehrheit Stammwähler der Christlich Demokratischen Union (CDU). Sie zeigten sich dankbar dem damaligem Bundeskanzler Helmut Kohl gegenüber, der ihre Heimkehr nach Deutschland ermöglicht hatte. Doch seit der Flüchtlingskrise sympathisieren viele der rund 1,5 Millionen Wahlberechtigten mit der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD).

Im Sowjetreich sozialisiert

Für die überwiegende Zahl der postsowjetischen Menschen war das Hauptmotiv für ihre Auswanderung, sich selbst und ihren Kindern in einem Wohlstandstaat eine bessere Zukunft zu sichern. Sie waren sozusagen Wirtschaftsflüchtlinge. Vielfach sind sie aus Sibirien oder aus zentralasiatischen Republiken wie Kasachstan und Kirgisien emigriert, wo sie infolge der Deportation ihrer Vorfahren während des Zweiten Weltkriegs gelebt hatten. Häufig haben Deutschstämmige auch Familienangehörige aus anderen Ethnien. Sergei Lochthofen beschreibt in seinem Buch „Schwarzes Eis“ das Schicksal seiner Familie. Der Autor wurde 1953 in Workuta geboren und kam als Fünfjähriger mit seinen Eltern in die DDR. Obwohl aus einem sozialistischen Land in ein anderes angekommen, prallten verschiedene Mentalitäten aufeinander. Vor allem die russische Mutter fand sich in der neuen Heimat nicht zurecht.

Vor der deutschen Wiedervereinigung konnten sich Frühauswanderer, die recht gut Deutsch sprachen, sich schnell in den Arbeitsmarkt integrieren. Sie waren strebsam und nahmen auch Tätigkeiten an, die unter ihrem Ausbildungsniveau lagen. Großzügige Integrationsangebote der Regierung und finanzielle Unterstützungen haben den Zugezogenen geholfen, sich in Deutschland zurechtzufinden, Häuser zu bauen oder Eigentumswohnungen zu erwerben.

Nach dem Fall der Berliner Mauer verschlechterte sich allerdings die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Da die Spätaussiedler in ihrer Heimat kaum die Möglichkeit hatten, eine deutsche Schule zu besuchen, sprachen und sprechen sie immer noch Russisch. Russisch, nicht Türkisch, ist zu einer der am meisten gesprochenen Fremdsprachen in Deutschland geworden. Menschen mit einem postsowjetischen Migrationshintergrund, darunter Russlanddeutsche, haben ähnliche Sprach- und Integrationsprobleme wie andere ausländische Neubürger. Zudem werden auch sie mit Inakzeptanz in der Gesellschaft konfrontiert. Doch statt für ihre Fehlentscheidung, nach Deutschland zu kommen, selbst Verantwortung zu übernehmen und eventuell an die Rückkehr oder eine Weiterbildung zu denken, machen sie die deutsche Regierung für ihren sozialen Abstieg oder sogar für ihre Karriere als Straftäter verantwortlich. Gerade diese Gruppe beneidet nun die Flüchtlinge, die ihre Meinung nach besser positioniert sind.

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