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Litauen ist 100 Jahre alt

Symbol zum 100 Jahre Jubiläum von Litauen Symbol zum 100 Jahre - Jubiläum von Litauen Nur acht Tage vor Estland hatte das größte baltische Land, Litauen, am 16. Februar 1918 seine Unabhängigkeit durch den Staatsrat, ein 20-köpfiges Gremien von litauischen Honoratioren, ausgerufen. Das Jubiläum wird unter der litauischen Trikolore: Gelb, Grün und Rot mit starkem Nationalstolz gefeiert.

Litauen schenkt sich zum runden Geburtstag zahlreiche Kulturevents. Hundert Feuer werden die wiedererlangte Freiheit allegorisch darstellen, es wird eine hundert Kilometer lange Wanderung geben sowie einen Festumzug mit hundert Fahnen.

Eigentlich feiern Litauer sogar zwei Mal ihre Unabhängigkeit, nämlich nicht nur am 16. Februar als die Republik im Jahr 1918 ausgerufen wurde, sondern auch noch am 11. März als das stolze Volk sich von sowjetischen Okkupation befreien konnte. Nun ist das Land fast 28 Jahre wieder unabhängig und hat nach schwierigen Anfangsjahren tolle Erfolge zu buchen.

Litauen hatte im Februar vor hundert Jahren fast die gleiche politische Situation wie das baltische Nachbarland Estland. Seit 1915 war das seit Jahrhunderten zum russischen Zarenreich gehörende spätere Staatsgebiet Litauens von deutschen Truppen besetzt. Im Wirren der Oktoberrevolution und Ersten Weltkrieg dachte die Fremdmacht jedoch nicht daran, der Litauer die Souveränität zu schenken. So beschloss der Staatsrat das Land zur eigenständigen Republik auszurufen. Entsprechende Schriftstücke wurden sowohl nach Moskau als auch nach Berlin verschickt. Der polnischen, weißrussischen und jüdischen Minderheit wurden in dem Dokument besondere Rechte zugesichert. Versailler Verträge bekräftigten dann später offiziell die Souveränität Litauens.

Wieder Okkupation

Als die Sowjetunion erneut unter Diktator Jossif Stalin Litauen 1940 okkupierte, war die Unabhängigkeitsakte von 1918 verloren gegangen. Grundlage für die Besetzung diente nun der sogenannte Stalin-Hitler-Pakt, den der Vertreter der Sowjetunion, Wjatscheslaw Molotow und der Chefdiplomat von Nazi-Deutschland, Joachim von Ribbentrop am 23. August 1939 in Moskau unterschieben hatten. Im geheimen Protokollen zum „Teufelspakt“ hatten die Diktatoren Osteuropa diskret untereinander aufgeteilt.Tasch mit Aufdruck 100 Jahre

Für die Litauer begann, genau so wie für Esten und Letten grausame Okkupationszeit mit Unterdrückung und Terror. Tausende Menschen wurden nach Sibirien deportiert. Die frühere Nationalsymbole der drei Republiken wurden rechtswidrig deklariert. Das Datum der Unabhängigkeitserklärung, in Litauen der 16. Februar, wurde für Kommunisten zu einem Symbol des Widerstands. Die Besatzungsmacht sah durch die ganze Okkupationszeit sogar in Geburtstagsfeiern an diesem Tag als regimefeindliche Versammlungen und hat jegliche Feier verboten. Moskau ging noch weiter: Im neuen Geschichtsbücher der Sowjetunion wurde die erste Periode der Unabhängigkeit der Länder, also von 1918 bis 1940, ganz gestrichen.

Jahrelang leugnete Moskau das Dasein dieser Schriftstücke, um seinen saftigen Landgewinn zu bewahren, darunter die drei baltischen Republiken. Zum 50. Jubiläum des Vertrages prüfte ein Untersuchungsausschuss des Volksdeputiertenkongresses unter Vorsitz des Vertrauten von Michail Gorbatschow, Alexander Jakowlew die Beweislage und kam nach emotionalen Auseinandersetzungen zu dem Schluss, die Verschlusssache habe es tatsächlich gegeben. Als Beweis dienten die von russischen Historiker Lew Besymenski gefundenen Kopien des Paktes in der damaligen Hauptstadt der Bundesrepublik Bonn. Das Parlament der Sowjetunion setzte anschließend den Vertrag samt allen geheimen Vereinbarungen außer Kraft. Vorhergegangen war dem brisanter Fund ein inoffizielles Gespräch zwischen dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl mit Gorbatschow im Oktober 1988 in Moskau.

Idealisierung der „ersten Republik“

Die Zeit der sogenannten „ersten Republik“ wird bis heute in baltischen Ländern idealisiert, die Großeltern und Eltern erzählen die Geschichte weiter um klarzumachen, dass die staatliche Freiheit, verbunden mit einer eigenen Muttersprache ein großes Geschenk ist, dass es zu verteidigen gilt.

Im vergangenen März tauchte auch im politischen Archiv des Auswärtigen Amtes die Geburtsurkunde der Republik Litauen wieder auf. Zwar nicht das Original, aber immerhin die Abschrift, der vor 99 Jahren aus Vilnius nach Berlin gesandt worden war. Das Original ist seit 1940 verschollen. Einer der reichsten Männer Litauens hatte eine Belohnung von einer Million Euro für denjenigen versprochen, der die Originalschrift bis zum hundertsten Jubiläum findet. Entdeckt wurde die handschriftliche Ausfertigung samt Übersetzung ins Deutsche von dem litauischen Politikwissenschaftler Liudas Mažylis. Das Dokument hat 20 Unterschriften der Erstunterzeichner.

(asie)

Fotos: Litauen100



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