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Lettland: Dichter Jānis Rokpelnis soll für KGB gespitzelt haben

Jānis RokpelnisJānis RokpelnisAm Anfang der 1990er Jahren veröffentlichte die lettische Zeitung „Atmoda Atpūtai“ eine Liste der Agenten, die für die sowjetische Staatssicherheit KGB spioniert hatten. Veröffentlicht wurden damals jedoch nur die Agentennamen. Bekannt war zudem, dass alle Spitzel zu der Crème de la Crème der lettischen Gesellschaft gehörten.

Lettland hat sich vor kurzem entschlossen, die richtigen Namen zu der damaligen Liste der ehemaligen KGB-Agenten zu veröffentlichen. In diesem Zusammenhang nahm der Dichter Jānis Rokpelnis Kontakt mit der Zeitung „ Neatkarīgā Rīta Avīze“ auf und beichtete, eine der Personen auf der Liste zu sein. Er hatte unter Spitzelnamen „Mikelis“ für die sowjetische Geheimpolizei Informationen gesammelt und geliefert.

Rokpelnis erzählte, dass er verhaftet wurde, weil er in einem Bar in Riga betrunken geschrien hatte: „Bist du ein Kommunist? Dann muss man dich erschießen!“ Man sperrte ihn nur deswegen nicht ein, weil sein Vater Fricis Rokpelnis Abteilungsleiter der Kultusministeriums der Lettischen Sowjetischen Sowjetrepublik (LSSR) war und die Worte zur Hymne der LSSR gedichtet hatte. Er selber hasste nach Eigenaussage die Kommunisten und Tschekisten, wie die meiste Menschen in Lettland.

Nach dem Vorfall wollte der Gedichteschreiber Mitglied in der Union der Schriftsteller der LSSR werden, doch die Kollegen verweigerten ihm ein Empfehlungsschreiben. Danach rief ihn der KGB-Mitarbeiter Arvīds Grigulis zu sich und teilte ihm mit, dass seine weitere Karriere davon ab hängt, ob er bereit ist mit der Geheimpolizei zusammen zu arbeiten. Er musste ein Dokument unterschreiben, in dem er verpflichtet wurde, nichts über die Arbeitsmethoden des Sicherheitsapparates zu berichten.

Rokpelnis zufolge wurden ihm keine weiteren Anweisungen für seine Spitzeltätigkeit gegeben. Es folgten Treffen in einen konspirativen Wohnung der KGB mit einem Offizier der Geheimpolizei, Juris Milevskis. Er interessierte sich vor allem dafür, was andere Schriftsteller und Dichter denken.

Rokpelnis sagt heute: „Habe ich jemanden geschadet? Nein, das liegt mir nicht. Ich habe niemanden verpfiffen. Meine Arbeit für KGB war analytisch – ich habe der Tscheka geholfen zu verstehen, wie die Intelligenz tickt. Trotzdem muss ich gestehen, dass ich ein Spitzel war.“

Der Dichter hat nach seinem Geständnis Angst um seine Fans, ob sie ihn verzeihen und seine Gedichte weiter lesen. Rokpelnis war bekannt als Übersetzer der Dichtung von Alexander Blok, Marina Zwetajewa und Joseph Brodsky. In den 1970er Jahren war er ein der meistgelesenen Lyriker in Lettland. (asie)

Foto: Vikipēdija



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