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Schöpferin der „alternativen Fakten“ erfindet „alternativen Angriff“

US-Präsident Donald Trump mit seiner dritten Ehefrau Melania am Tag seiner Vereidigung am 20. JanuarUS-Präsident Donald Trump mit seiner dritten Ehefrau Melania am Tag seiner Vereidigung am 20. JanuarMan ist daran gewöhnt, dass sogenannte „alternative Fakten“ oder „Fake-News“ (Falschmeldungen) uns aus Russland erreichen. Doch nachdem der selbstverliebte Milliardär Donald Trump (70) am 20. Januar zum Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt wurde, bekommen wir nicht nur aus dem Moskauer Kreml, sondern auch aus dem Washingtoner Weißen Haus erfundene Informationen, die Trump-Beraterin Kellyanne Conway als „alternative Fakten“ (englisch „alternative facts”) bezeichnet.

„Alternative Fakten” heißen jedoch im Klartext „glatte Lügen”. Zum ersten Mal benutzte die energische Dame den Begriff, als sie die Falschmeldung des Pressesprechers des Präsidenten, Sean Spicer, über die Zahl der Zuschauer während Trumps Amtseinführung rechtfertigte. Der neue Herr des Weißen Hauses behauptete beharrlich, dass mehr Bürger in Washington seine Inauguration verfolgten als die seines Vorgängers Barack Obama, obwohl die veröffentlichten Aufnahmen von National Mall dies nicht bestätigten.

Als der Journalist Chuck Todd (NBC) dann Conway während eines Interviews zu erklären bat, warum Spicer „widerlegbar falsche Behauptungen“ vorführe, antwortete die Präsidentenberaterin: „Chuck, seien Sie nicht so übertrieben dramatisch. Sie sagen, es wäre eine falsche Behauptung, und […] unser Pressesprecher Sean Spicer präsentierte dazu alternative Fakten.“ Todd entgegnete daraufhin: „Alternative Fakten sind keine Fakten. Es sind Unwahrheiten“. Der Begriff stammt im Übrigen aus Trumps Buch „The Art of the Deal“ (deutsch: „Die Kunst des Geschäftes“), das Conway offensichtlich genauestens gelesen hatte.

„Alternativer Terror“

Für Conway, die schon während Trumps Wahlkampf für ihren Chef die Kastanien aus dem Feuer holte, ist es keine Schande, für ihren Dienstherren öffentlich zu lügen. So hatte die Blondine das Trump-Dekret zum Einreiseverbot für Muslime aus sieben Ländern am Donnerstag (2. Februar) mit einem Blutbad gerechtfertigt. Sie erklärte, dass das Massaker von Bowling Green ein Grund für das umstrittene temporäre Einreiseverbot sei. Obama habe 2011 ein ähnliches Dekret erlassen, nachdem in Kentucky zwei Iraker wegen „umfangreicher terroristischer Aktivitäten gegen US-Soldaten im Irak“ verhaftet wurden. Mohanad Shareef Hammadi und Waad Ramadan hätten jedoch geplant, Geld und Waffen an das Terrornetzwerk Al-Qaida zu schicken. Die Männer wurden nie beschuldigt, Anschläge in den USA organisiert zu haben. Trump selbst hatte auf Twitter erklärt, mit dem umstrittenen Erlass sein Land vor „bösen Typen“ schützen zu wollen.

Das Einreiseverbot hatte Großdemonstrationen gegen Trumps Politik ausgelöst, auch außerhalb der Vereinigten Staaten. In großen Metropolen gingen tausende Menschen auf die Straße. Das Dekret hat zudem für ein Chaos auf den Flughäfen gesorgt und wurde von zwei Gerichten bis auf Weiteres gestoppt, zuletzt (Stand 5. Februar) vom zuständigen Berufungsgericht in San Francisco. Nächste Woche wird weiter verhandelt.

Später musste Conway ihre falsche Behauptungen richtig stellen. Sie habe angeblich statt „Massaker“ eigentlich „Terroristen“ sagen wollen. Die Aussage hat der Trump-Administration den Hashtag #BowlingGreenMassacre beschert.

Der Roman „1984“ von George Orwell ist in den USA zur Zeit vergriffen. Der Begriff „Wahrheitsministerium“ aus dem Roman erinnert, dass in einem fiktiven totalitären Staat systematisch Erdichtungen verbreitet werden.

Trump beleidigt unabhängige Richter

Nach der Verkündung des Gerichtsbeschlusses gegen das von ihm erlassenen Dekret über ein Einreiseverbot hatte Trump sich im Twitter abschätzig über den Richter in Seattle, James Robart, geäußert und dessen Entscheidung als „lächerlich“ bezeichnet. Der mächtigste Mann der Welt stellte damit die Legitimität eines unabhängigen Richters offen in Frage. Der Twitter-Choleriker ging noch weiter: „Wie weit ist es mit unserem Land gekommen, wenn ein Richter einen Einreisebann stoppen und Jeder, sogar mit bösen Absichten, in die USA kommen kann?“ schrieb er vor zwei Tagen.

Falsche Beweise

Aber das war noch nicht genug: auch der erste Einsatz eines US-Spezialkommandos, den Trump als Oberbefehlshaber der Streitkräfte in Auftrag gab, ging schief. Bei dem Operation im Jemen im Süden der Arabischen Halbinsel wurde ein US-Soldat getötet, mehrere wurden verletzt. Darüber hinaus kamen Zivilisten, darunter auch Kinder, ums Leben. Trump musste herbe Kritik einstecken. Die Militärs warfen ihrem Präsidenten vor, er habe der Einsatz zugestimmt, obwohl die Vorbereitungen noch nicht abgeschlossen waren.

Das Pentagon veröffentlichte zudem ein im Jemen beschlagnahmtes Video, das angeblich aktuellen Terror des Al-Qaida-Netzwerkes zeigt. Doch es stellte sich heraus, dass die Aufnahmen schon zehn Jahre alt waren. Das US-Verteidigungsministerium hat inzwischen den Film wieder von der Webseite entfernt und den Fehler zugegeben. (asie/tmich)

Foto: Facebook



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